Groß denken, klein anfangen
Wir von Domaine Europe sprechen tagtäglich mit E-Commerce-Unternehmer*innen, die Ihren Webshop international ausbauen wollen. In unserer globalisierten Welt ist es geradezu verlockend, auch in vielen anderen Ländern zu verkaufen. Vor allem junge, neu gegründete Onlineshops möchten am liebsten sofort an alle und überall verkaufen, während erfahrenere Unternehmer:innen ihre Fähigkeiten zunächst mit einem einzigen (lokalen) Shop perfektionieren wollen, bevor sie den Schritt in ein anderes Land oder eine andere Region wagen. Unser Tipp: Investieren Sie nicht in neue Märkte, bevor Sie sich vergewissert haben, dass Ihre Marke dort bei Ihrer Zielgruppe gut ankommt. Testen Sie zuerst, lernen und optimieren Sie.
Es ist leider ein weitverbreiteter Irrtum anzunehmen, dass man den Shop einfach übersetzen kann, um ihn in einem neuen Land zu launchen und zu erwarten, dass er in diesem neuen Markt genauso erfolgreich sein wird. Wir von Domaine Europe finden, Lokalisation und Übersetzung sind zwei verschiedene Dinge. Der Schritt in ein neues Land ist keine Kleinigkeit – darum sollten Sie sich die Mühe machen, Ihr Kundenerlebnis an den Markt anzupassen.
Mit Shopify Plus weltweit aktiv werden: Das sind Ihre Möglichkeiten
Eins vorweg. Wenn Sie sich vorstellen können, Ihre Produkte international auf Shopify zu verkaufen, ist Shopify Plus die beste Option. Es wurde für Händler*innen entwickelt, die wachsen und skalieren möchten. Shopify ist zwar die absolut beste SaaS-E-Commerce-Lösung auf dem Markt, aber der internationale Verkauf ist dennoch recht komplex.
Im Folgenden finden Sie die verschiedenen Möglichkeiten, die Shopify Plus Ihnen bietet, um Ihre Produkte weltweit zu vertreiben. Für jede Lösung zeigen wir Ihnen außerdem die Vor- und Nachteile.
- Single-Store-Setup – ein einzelner Shop
- Multi-Store-Setup – mehrere Shops
- Headless-Setup
- Neu: Shopify Markets
Single-Store-Setup – ein einzelner Shop
Eine einfache und schnelle Option ist, dieselbe Storefront zu verwenden, unabhängig davon, woher Ihre Kund*innen kommen, und die mehrsprachigen und -währungsfähigen Funktionen von Shopify zu nutzen. Dies ist eine einfache Lösung, um mit Shopify Plus international aktiv zu werden, aber sie hat leider auch einige Einschränkungen.
Vorteile: Einfache, kostengünstige und schnelle Lösung, um Ihr Business in einer neuen Region zu etablieren und einen Multi-Store-Ansatz zu entwickeln, wenn Sie für die nächsten Schritte bereit sind.
Nachteile: Sie können keine verschiedenen Produkte für die unterschiedlichen Märkte anbieten und Ihr Kundenerlebnis nicht weiter anpassen. Sie sind von Sprach-Apps abhängig, die fehlerhaft sein und die Performance Ihrer Website erheblich beeinträchtigen können. Außerdem halten wir dieses Setup für eine langfristige Strategie nicht für optimal. Zudem unterstützen die meisten Shopify-Apps (noch) keine Mehrsprachigkeit, sodass sie nicht kompatibel sein werden.
Multi-Store-Setup – mehrere Shops
Mit einem Multi-Store-Setup haben Sie mehrere Versionen Ihrer Storefront und können Kund*innen auf die lokale Website umleiten. Wenn Sie Shopify Plus nutzen, können Sie bis zu neun Storefronts zu Ihrem Account hinzufügen (insgesamt also zehn), ohne dafür extra zu bezahlen.
Während Ihre Shops als eigenständige Unternehmen arbeiten und Sie die volle Kontrolle über Produkte, Preise, Zahlungen, Versand, Marketing und mehr haben, können Sie alle Shops mit Ihrer Hauptseite verbinden, um die Verkaufszahlen und das Reporting zentral zu verfolgen.
Die Einrichtung mehrerer Stores ist eine bewährte Lösung, die wir für Kunden wie O'Neill, Ti SENTO Milano, Rosefield Watches, Gisou und MUD Jeans eingesetzt haben. Wir sehen, dass einige der größten Händler auf Shopify Plus wie GymShark und Allbirds es genau so
machen. (Aber dazu später mehr.)
Vorteile: Volle Flexibilität in puncto Inhalt, Preisgestaltung, Versand und mehr. Sie verwenden dieselbe codebasis für alle Shops und minimieren so die Auswirkungen auf die Entwicklungszeit/-kosten.
Nachteile: Sie müssen mehrere Shops verwalten, was bedeutet, dass Sie Ressourcen und Budget für lokale Anwendungen, Integrationen und Content Management bereitstellen müssen (und natürlich ist die Lokalisierung Ihres Shops aufwändig und braucht viel Zeit. Aber die Mühe wird sich am Ende lohnen. Versprochen!)
3. Headless Setup
Eine weitere Lösung, die man erwägen sollte, ist ein Headless-Ansatz. Headless E-Commerce bedeutet, dass Sie das Backend vollständig vom Frontend entkoppeln. So können Sie eine vollständig individualisierte E-Commerce-Plattform erstellen. Wir wissen, dass ein einziger Headless-Shop, der 20-30 verschiedene Sprach-/Währungskombinationen unterstützt, sehr verlockend klingen mag, aber die Entscheidung für einen Headless-Shop sollte man nicht zu leichtfertig treffen. Fragen Sie sich einmal: Warum sollte ich Shopify entkoppeln oder "ent-SaaSen"?
Wir vergleichen den Headless-Ansatz gerne mit einem Ferrari. Ja, Sie erhalten eine extreme Leistung, aber Sie zahlen auch einen hohen Preis für Anschaffung und Wartung und Sie sollten wissen, wie man ihn fährt. Wenn Sie bereit sind, in eine sorgfältige Vorbereitung und ein umfangreiches Entwicklungsprojekt zu investieren, könnte dies die richtige Lösung für Sie sein. Aber denken Sie daran, dass die Vorteile die Kosten, die Zeit und den Aufwand überwiegen müssen.
Vorteile: Headless ist superschnell und die Struktur bietet Ihnen ein hohes Maß an Flexibilität im Frontend. Das bedeutet, dass Sie mit Ihrer UX wirklich kreativ werden können.
Nachteile: Headless ist nicht ganz billig. Im Vergleich zu einem Multi-Store-Setup sind Zeit, Kosten und Aufwand deutlich höher. Sie benötigen benutzerdefinierte Verbindungen für die Integration von Anwendungen und Technologien sowie für die Übertragung von lokalisierten Informationen, Übersetzungen und Preisen über Ihre Anwendungen hinweg. Dies verursacht zusätzliche Entwicklungsarbeit und erhöht die Komplexität Ihres Projektmanagements. Auch wenn es den Anschein hat, als sei Headless eine Garantie für eine bessere Website-Performance, täuscht dieser Eindruck.
Neu: Shopify Markets
Vor kurzem ist eine vierte Option hinzugekommen: Shopify Markets. Diese neue Lösung reduziert die Komplexität des internationalen Handels und hilft Händler*innen, ihre Waren auf internationalen Märkten zu verkaufen – und zwar aus einem einzigen Shopify-Shop heraus.
Einige unserer Kund*innen konnten diese neue Option bereits testen. In unserem Newsletter gibt es regelmäßige Updates – Sie können ihn über das Feld am Ende der Seite abonnieren.
Vier Gründe für den internationalen Verkauf mit einem Multi-Store-Setup auf Shopify
- Anpassen des Stores auf die Zielgruppe und ihr Kaufverhalten
- Lokalisation von Sales, Marketing und Servicekanälen
- Regionale Währung und Zahlungsmittel
- Compliance und Steuern
1: Anpassen des Stores auf die Zielgruppe und ihr Kaufverhalten
Mit einem separaten Shopify Store für jeden Markt können Sie sicherstellen, dass Ihre Website und Ihr Angebot auf die jeweilige, regionale Zielgruppe angepasst ist. Jeder Shop lässt sich unabhängig voneinander optimieren, das heißt, dass Sie den Content und die Angebote für die Zielgruppe relevant und interessant gestalten können.
Sie können lokale Keywords, länderspezifische Angebote, ein lokalisiertes und an kulturelle Unterschiede angepasstes Design, lokale Domains und URL-Strukturen, Versandanbieter und relevanten Content für Ihre Audience berücksichtigen.
Allbirds lokalisiert sein Hero image für jede Region durch die Multi-Store-Einrichtung.
2. Lokalisation von Sales, Marketing und Servicekanälen
Durch die Verwaltung mehrerer lokaler Online-Shops können Sie eine lokale Sales-, Marketing- und Servicestrategie entwickeln, die auf die Bedürfnisse der spezifischen Region bzw. des Landes zugeschnitten ist.
Dazu gehören lokale Social-Media-Seiten, die mit Ihrem lokalen Shopify-Shop verknüpft sind, lokale Apps (in Deutschland wird beispielsweise Trusted E-Shops gegenüber Trustpilot bevorzugt) und Servicekanäle in der richtigen Sprache.
Es ist äußerst wichtig, auf die spezifischen Bedürfnisse Ihrer Zielgruppe in einem Markt einzugehen. Das Bild unten zeigt zwei Shopify Stores, gleiche Marke, anderes Land: Der Altersunterschied der Zielgruppen ist enorm.
3. Regionale Währung und Zahlungsmittel
33 Prozent der internationalen Besucher*innen würden einen Kauf gar nicht erst in Erwägung ziehen, wenn ihre Landeswährung nicht angeboten wird – dies ist also entscheidend, wenn Sie international erfolgreich verkaufen möchten. Lokale Shopify-Storefronts ermöglichen es Ihnen nicht nur, die Landeswährung anzubieten, sondern auch lokale Zahlungsoptionen wie Amazon Pay, Klarna oder Sofortüberweisung.
Um sicherzustellen, dass Ihre internationalen Käufer*innen zu ihrer lokalen Website geleitet werden, können Sie die Geolocation-App von Shopify installieren. Diese App erkennt anhand der IP-Adresse Ihrer Kund*innen, von wo aus sie einkaufen, und stellt sicher, dass sie Ihren lokalen Shop sehen. Wir empfehlen unseren Kund*innen immer, ein freundliches Pop-up einzublenden, das den Besucher*innen anbietet, sie zu ihrem lokalen Shop weiterzuleiten, anstatt es einfach zu tun.
4. Compliance und Steuern
Je nachdem, wo Sie Ihre Produkte verkaufen, werden Sie möglicherweise mit unterschiedlichen Steuervorschriften und anderen einzuhaltenden Regelungen konfrontiert. Wenn Sie mehrere Stores einrichten, können Sie sicherstellen, dass Ihr Unternehmen die Bestimmungen einhält. Die meisten in den USA ansässigen Shops zeigen ihre Produkte zum Beispiel ohne Steuern an und fügen sie erst an der Kasse hinzu, je nachdem, wohin der*die Kund*in bestellt.
In anderen Regionen wie Europa und dem asiatisch-pazifischen Raum müssen die Produkte in der Regel mit Steuern angezeigt werden. Ein weiteres Beispiel für die Einhaltung der Vorschriften ist, dass "Solden" (das belgische Wort für Verkauf) in Belgien nur zu bestimmten Zeiten erlaubt ist.
Häufige Bedenken, die wir über das Multi-Store-Setup hören
Für die meisten E-Commerce-Manager oder Unternehmer klingt der Betrieb mehrerer Shopify-Shops ein wenig erdrückend. Das muss es arber nicht! Es sollte Sie nicht daran hindern, Ihr Business zu erweitern und Ihre Ziele zu erreichen. Im Folgenden finden Sie eine Übersicht über die am häufigsten genannten Bedenken und Fragen – und was wir ihnen entgegensetzen können. Wir sind sicher, dass Sie sich anschließend zuversichtlich auf Ihr E-Commerce-Geschäft mit mehreren Stores blicken werden.
“Aber muss ich meine Homepage dann nicht locker fünfmal ändern?”
Wenn wir über die Nutzung mehrerer Storefronts sprechen, ist ein oft genannter Einwand, dass es kompliziert und zeitaufwändig klingt, den Inhalt mehrerer Shops zu pflegen. Müssen Sie wirklich Ihr Hero image oder Ihre Homepage "locker fünfmal" ändern? Ja, das müssen Sie! Wir geben zu, das Lokalisieren Ihres Shops ist mühsam. Sie sollten sich aber die Mühe machen, denn es wird sich in Form von Umsatz- und Konversionssteigerungen auszahlen. Der Aufwand für die Wartung separater Shops in Shopify erfordert keine großen Teams, weder in Bezug auf Marketing noch auf Entwicklungsressourcen.
“Wie kann ich meine Produktinformationen synchronisieren?”
Die Synchronisierung Ihrer Produktinformationen über mehrere Shops hinweg ist eigentlich recht einfach. Es gibt mehrere Möglichkeiten, aber wir bevorzugen diese beiden Ansätze für die Synchronisierung von Produkten zwischen mehreren Storefronts:
- Für kleinere Händler*innen und/oder nur wenige SKUs (bis zu 100) empfehlen wir die Verwendung einer Anwendung wie Stock Sync. Dabei wird einer der Shops als "Hauptshop" verwendet und mit den anderen, kleineren Shops über eine Sync-App synchronisiert. In diesem Fall ist die Anschaffung eines PIM (Product Information Management System) nicht sinnvoll.
- Für größere Händler*innen und/oder viele SKUs (über 1000) empfehlen wir die Verwendung eines professionellen PIM wie Akeneo PIM. Sie können alle Ihre Produktinformationen im PIM verwalten und die Integration von Domaine Europe mit Shopify sorgt für die Synchronisierung.
Wir erklären Ihnen gerne mehr über die Integration mit Ihrem PIM oder mit anderen Logistik- oder Fulfillment-Partnern von Drittanbietern. Schreiben Sie uns einfach eine Nachricht.
“Muss ich jede App für jeden Store kaufen?”
Ja und nein. Die meisten Apps müssen Sie pro Storefront kaufen, was in der Regel zu zusätzlichen Kosten führt. Die teuersten Apps haben sich jedoch häufig auf Paketpreise für Shopify Plus Händler*innen mit mehreren Shops geeinigt, und es gibt einige Apps, die Sie nur einmal kaufen müssen und dann beliebig viele Shopify-Shops hinzufügen können, wie zum Beispiel die Kundenservice-App Gorgias.
Nehmen wir Klaviyo als Beispiel. Die App selbst ist kostenlos, die Nutzung des Dienstes jedoch kostenpflichtig. Separate Shops zu betreiben hat in diesem Beispiel kaum Auswirkungen auf die Kosten.
Klaviyo legt Wert darauf, dass es sowohl einfach als auch effektiv ist, mehrere Accounts zu nutzen und die Flows zwischen den Shops zu wechseln oder zu kopieren. Ja, es ist ein bisschen mehr Arbeit, aber am Ende werden Sie erfolgreicher sein, weil Sie Ihre E-Mails lokalisieren und verschiedene Flow-Strategien verwenden können.
Darüber hinaus sind Sie besonders flexibel, wenn Sie die Apps pro Store kaufen. So können Sie nämlich die für den Markt bestmögliche App oder Integration nutzen (zum Beispiel Loyalty Lion in UK und Smile in Deutschland).
“Kann ich einen Überblick über all meine Stores und Kund*innen bekommen?”
Einen Gesamtüberblick über mehrere Stores zu bekommen, war bislang schwierig, aber das ändert sich gerade. In Shopify Plus können Sie Ihre Stores und deren Nutzer*innen einsehen. Wir gehen davon aus, dass es dort bald auch eine "Kundenübersicht" geben wird. Wir stehen immer in engem Kontakt mit Shopify, um direkt zu erfahren, wann weitere Optionen verfügbar sind.
“Ist es nicht wesentlich teurer, mehrere Stores zu verwalten?”
Die Einrichtung eines neuen lokalen Shops dauert ungefähr einen Tag. Der Vorteil dabei ist, dass wir sicherstellen können, dass die Funktionen Ihrer Shops synchronisiert bleiben (wenn Sie dies wünschen). Außerdem kostet Sie die Verwaltung mehrerer Shops nicht mehr. Das Gleiche gilt für die Shopify Plus Gebühr. Die Preise für die ersten zehn Shops ändern sich nicht. Am Ende müssen Sie also nur in mehrere Apps und Ressourcen investieren, um Ihre Inhalte zu verwalten. Wir beobachten, dass es sich für unsere Kunden massiv auszahlt, lokale UX anzubieten.
“Wie steht es um SEO?”
Achten Sie darauf, dass Sie auf jeder Seite die hreflang-Tags hinzufügen. Damit können Sie Google wissen lassen, in welcher Sprache die Seite ist – dabei ist egal, welche Plattform Sie für die Website verwenden. Listen Sie außerdem die Sprachoptionen auf, damit Google weiß, wie die URLs lauten und so die einzelnen URLs für jeden Shopify Shop erkannt werden. Verwenden Sie darüber hinaus kanonische Links, um Google mitzuteilen, welche Seiten indiziert werden sollen, falls Sie doppelte Seiten in derselben Sprache haben.
“Können meine Kund*innen, Sprachen und Währungen beliebig kombinieren?"
Ja, Ihre Kund*innen können sowohl in Sprachen als auch Währungen browsen – wenn Sie Shopify Payments verwenden. Wenn Sie nicht Shopify Payments benutzen, können Sie einen europäischen Store in der EU erstellen, um englischsprachige Kund*innen in allen EU-Ländern zu erreichen. Genau das haben wir für unsere Kunden wie eu.rosefieldwatches.com oder eu.oneill.com getan.